United generation

Sie wachsen in einer Welt auf, in der plötzlich alles anders ist. Sie gehen von heute auf morgen nicht mehr zur Schule, sondern werden von ihren Eltern am Küchentisch unterrichtet. Alle sind zu Hause.
Unsere Kinder erleben hautnah mit, wie sich die scheinbar bisher alles wissenden Erwachsenen um sie gerum auf das Wesentliche besinnen. Etwas desorientiert realisieren „die Großen“ endlich, was wirklich wesentlich ist.

»Wenn wir zusammen sind, haben wir alles.«
»Gesundheit – das ist doch das Wichtigste.«

Sind es Klischees? Aus einer früheren Zeit stammen sie und erfahren jetzt ein globales Update.

Natürlich fällt es uns allen schwer im Alltag Abstand zu halten – zu den Großeltern, zu Freunden. Wir alle vermissen unser soziales Umfeld. Ich bin überrascht, wie verständnisvoll viele Kinder die gebotene Rücksicht aufnehmen. Abgesagte Kindergeburtstage, lang geplante Familienfeiern und Reisen. Die Kinder haben verstanden. Oft schneller als wir Erwachsenen, die sich so eine schnelle Wendung nie hätten vorstellen können.
Für ein Kind ist das Wichtigste, dass die Familie so fortbesteht, wie sie ist. Das gibt ihnen Sicherheit und bringt Zuversicht. Es scheint, als hätten wir »Großen« das vergessen.

Mit unseren Kindern erleben wir gerade eine Welt, die spürt, wie eng doch alles zusammenhängt, wie verbunden wir miteinander sind. Eine Welt die realisiert, dass es nicht egal ist, an welcher Krankheit man am anderen Ende der Welt leidet. Die globalisierte Wirtschaft verteilt nicht nur Waren über Grenzen hinweg. Auch Probleme machen schon lange keinen Halt mehr vor unseren künstlich gedachten Grenzen.

Die »Generation Y« und die »Generation Z« wandeln sich. Es könnte eine Generationen übergreifende „united generation“ sein, eine die sich miteinander verbunden fühlt. Egal wo diese Generationen auf der Welt leben. Sie werden gerade mitten im Berufsleben, mitten in der Familiengründung von einer nie gekannten, weltumspannenden Krise überrascht. Obwohl wir es alle gespürt haben, dass es besser nicht so weitergehen sollte, waren wir nicht bereit, Tempo rauszunehmen. Den Verzicht als Chance zu sehen.
Viele Eltern zeigen sich sogar – bezogen auf ihr Familienleben – erleichtert, dass sie in der Rush Hour ihres Lebens rapide eingebremst werden. Das Tempo verlangsamt sich und der Alltag entspannt sich. Wer nicht raus kann, kommt wieder zu sich. Denkt nach und reflektiert. Welche Termine sind wirklich unumgänglich, was können wir für den höheren Zweck, unser aller Gesundheit, beiseite lassen? Unser Terminkalender dünnt sich aus. Wir und unsere Umwelt atmen durch.

Gestern habe ich mit einer langjährigen Freundin telefoniert. Seit dem letzten Sommer haben wir uns nicht mehr gesehen. Jetzt würden wir uns am liebsten sofort wieder treffen. Wir hätten sogar endlich mal Zeit! Jetzt tun wir das, was wir schon lange hätten tun können: wir telefonieren. 3 Stunden. Hätten wir uns getroffen, wäre es ähnlich lang gewesen. Doch jetzt ist es intensiver, wichtiger geworden.

Unseren Kindern sagen wir, dass wir die gemeinsame Zeit, die wir jetzt mehr miteinander haben, genießen. Dass es schön ist, die Zeit gemeinsam und in Ruhe zu verbringen. Weniger Reize von außen, mehr Familie. Vorher hatte manch einer 10 min Quality Time, danach gings ab zum Abendessen oder für die Kinder ab ins Bett.
Es bietet sich uns eine große Chance, wenn wir unsere positiven Erfahrungen aus der Krise weitertragen in unser Leben danach.

In der Kita meiner Kinder macht man sich bereits Gedanken darüber, wie sich die Idee des globalen Denkens und das daraus abgeleitete individuelle Handeln in das pädagogische Konzept der Einrichtung mit aufnehmen lässt. Der Partnerkindergarten in Kenia formuliert es in seinen Ostergrüßen so: »we are united in our prayers«. Oder anders gesagt:
wir haben, wenn auch unter verschiedenen medizinischen Voraussetzungen, gerade überall auf der Welt die gleiche Sorge und das gleiche Ziel: gesund bleiben. Das ist das Wichtigste.

Es liegt nun an uns als Eltern, als Gesellschaft, dass wir mit unseren Kinder diese Denkweise mit Leben füllen. Was WIR tun, hat Auswirkungen auf alle.

Die Generation unserer Kinder wird diese Erfahrung tief verinnerlichen. Denn sie alle haben es früh in ihrer Kindheit miterlebt, welchen Unterschied das eigene Handeln macht. Sie werden mit dieser weltumspannenden Denkweise aufwachsen. Werden eigene Prioritäten setzen.
Wie auch schon zuvor die „digital natives“ sich ein Leben ohne Internet, Handy und Tablet nicht vorstellen können, so werden diese Kinder sich eine Welt ohne den Fokus auf das Große und Ganze bestimmt nicht mehr vorstellen wollen.

Unsere Kinder sind die »united natives«. Sie werden global denken und individuell handeln. Das ist die Mission.
Und wir können dazu beitragen, indem wir sie aktiv darin unterstützen.
Nutzen wir diese Chance!